Warum wir ein Digitalministerium des Bundes brauchen

Warum wir ein Digitalministerium des Bundes brauchen

Dies ist ein längeres Essay, das die Notwendigkeit eines Digitalministeriums und viele Gegenpositionen aufgreift. Wer eine direktere Argumentation interessanter findet, hier ist die Petition für ein Digitalministerium.

Die Frage ob wir ein Digitalministerium brauchen und in welcher Form, bewegt die Menschen in Deutschland. Schon über 16.000 Bürgerinnen und Bürger haben die Petition für ein Digitalministerium des Bundes unterschrieben. Warum?

Um nicht nur der Fragestellung der Sehnsucht nach Gestaltung in einer sich digitalisierenden Welt nachzugehen, sondern auch den Diskurs und seine Positionen abzubilden, habe ich mich entschieden ein längeres Essay über das Thema zu schreiben. Die Länge geht weit über die eines digitalen Artikels hinaus und es geht dabei nicht um eine schnelle Meinungsmache, sondern um eine “tiefere” Analyse der Notwendigkeit, aber auch der Gegenargumente. Die Analyse ist nicht vollumfänglich, ist kein wissenschaftliches Paper und hat auch nicht den Anspruch darauf. Einziges Ziel ist die fragmentierten Argumentationen in Zeitungen, Reden, Interviews und Twitter-Diskussionen zusammenzuführen, zu sammeln und stetig zu ergänzen. Allein schon um eine Grundlage zu legen, welche über einen Petitionstext hinausgeht.

Das Essay ist in die folgenden Abschnitte unterteilt:

  1. Problemstellung
  2. Topographie in der Digitalisierung
  3. Menschenbilder in der Digitalisierung
  4. Digitalministerium - Chancen und Risiken
  5. Politische Debatte
  6. Gesellschaftliche Debatte

Die Problemstellung - Europa in der Digitalisierung:

Ungewöhnlicher Weise wähle ich für meine Argumentation keine empirische Grundlage, sondern eine theoretische.

Normalerweise würde ich nun Studien, Zahlen und Fakten aneinander Reihen um aufzuzeigen, wie weit die deutsche, aber auch die europäische Gesellschaft in der Digitalisierung hinter den beiden großen Polen im Silicon Valley (USA) und Shenzhen (China) zurück liegen. Dies wären zum Beispiel die Investitionen in künstliche Intelligenz oder wirtschaftliche Kennzahlen von SAP, Spotify u.a. im Vergleich mit GAFA und Tencent, Baidu, Alibaba und so weiter und so fort. Dies werde ich nicht tun. Einerseits aus dem Grund, dass all diese Zahlen und Studien bereits existierten und bisher niemanden bewegt haben ernsthafte Digitalpolitik in Deutschland zu beginnen. Es wird zwar immer viel über den Wirtschaftsstandort Deutschland gesprochen, aber für seine Zukunft recht wenig unternommen. Andererseits ist diese empirische Perspektive für einen Wandlungsprozess wie die Digitalisierung schlichtweg eine unglaubliche Komplexitätsreduktion, die die Tragweite und die Folgen der stetigen Untätigkeit leicht unter den Teppich kehren lässt.

In vielen Diskussionen wird der Anschein erweckt es wäre eine einfache wirtschaftspolitische Frage, ob man nun endlich eine langfristige und sinnvolle Digitalpolitik anstößt. Das ist falsch.

Die Digitalisierung ist ein gesamtgesellschaftlicher und vorallem kultureller Wandlungsprozess. Natürlich erfasst diese Veränderung auch die Wirtschaft, welche sich als ein flexibleres System, durch die schumpeterische kreative Zerstörung, leichter erneuern lässt. Dementsprechend ist es nachzuvollziehen, dass wirtschaftliche Akteure in einer hohen Geschwindigkeit einen neuen Raum teilweise erzeugen und bewirtschaften, um mit neuen Geschäftsmodellen wertschöpfend tätig zu werden. Dies ist aber nur ein Teil von Gesellschaft. Die Debatte um Digitalpolitik hier stattfinden zu lassen wäre eine extreme Reduktion und würde der Wirkung der Veränderung nicht gerecht werden.

Um zu gestalten, muss man sich bewusst sein, in welchem Raum man sich bewegt. Man kann nur regieren, was man vermessen kann. Bei der folgenden Argumentation geht es nicht darum, was die Digitalisierung an sich ist, oder was der digitale Raum ist, oder ob es ihn gibt, sondern darum welcher Betrachtungsrahmen für einen souveränen Staat sinnvoll ist um sich in die Position zu begeben zu regieren und damit zu gestalten:

Topographie in der Digitalisierung:

Am 9.1.2017 berichten die Medien, dass der Generalsekretär der NATO, Stoltenberg, erklärt, dass ein Cyberangriff den Bündnisfall nach Artikel 5 auslösen kann.

Neben den Dimensionen: Land, Wasser, Luft, welche vorher als souveränes Territorium von Staaten gegolten haben, ist nun der digitale Raum hinzugekommen. Im militärischen NATO Bündnis gilt ein Cyberangriff auf einen Mitgliedsstaat als eine Verletzung des Souveränitätsrechts des Staates. Der digitale Raum wird damit eindeutig als neues Territorium definiert, welches es zu schützen gilt.

Eine wehrhafte Demokratie muss den digitalen Raum dementsprechend auch als ihr Territorium definieren.

Dieser digitale Raum hat viele Facetten und unterschiedliche Definitionen. Benjamin Bratton beschreibt in seinem Buch “The Stack” die sechs unterschiedlichen Layer des digitalen Raumes und begründet damit so etwas wie die Topographie des Digitalen. Diese sechs Ebenen beschreibt er wie folgt:

Erde: Die Erde ist der physische Ort der Infrastruktur, welcher den “Stack” beheimatet. Unterseekabel, Serverzentren, Energieverbrauch und Solaranlagen. Klimawandel und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Lösung für den digitalen Raum all dies finden wir in der Ebene, neben den ursprünglichen Räumen: Luft, Wasser, Land.

Cloud: Clouds und Plattformen wie Alphabet, Apple, Facebook und Amazon, aber auch Baidu, Tencent etc. stellen eigene souveräne Räume da. Diese “Private Owned Public Places” sind Infrastrukturen die weitere Räume schaffen und Kontrolle über bestimmte Ebenen des Stacks ausüben, diese vermessen und eigene Regeln für diese Räume definieren.

Stadt: Urbanisierung und Digitalisierung verändern die Städte. Sie werden zu Plattformen ihrer Bewohnerinnen mit eigenen Sensoren, Filtern, Smart Grids und Überwachungssystemen. Neue Architekturen entstehen. Headquarters von Techkonzernen mit komplett eigenen Infrastrukturen siedeln sich in den urbanen Zentren an. Google zum Beispiel besitzt in San Francisco einen eigenen Bus-Shuttle für die Arbeitnehmerinnen. Außerhalb der Stadtkerne entstehen logistische Warehouses. Der Architekt Rem Koolhaas spricht von neuen architektonischen Orten.

Adresse: Wenn man etwas adressieren kann, kann man es regieren, so Bratton. IP Adressen und Meta-Daten lassen sich abfragen, ansprechen und wir können mit ihnen in Kommunikation treten. Das “Internet of Things” ermöglicht die Kommunikation zwischen Geräten. Doch das Konzept lässt sich weiter denken. Auch Menschen, Tiere, Pflanzen, sogar Atome können digitale Adressen bekommen und untereinander in einen Austausch treten.

Interface: Die auf die Bedürfnisse der Nutzer optimierten Interface verbinden den Menschen mit dem “Stack” oder dem digitalen Raum. Sie sind die Oberflächen über die wir Zugriff und Zugang haben. Das Design der Oberflächen entscheidet darüber, welchen Zugang jeder Nutzer hat und welche Handlungen er auf und durch die Interfaces durchführen kann. GUI (Graphical User Interface) ist die Bezeichnung für die visuelle Ebene, der Interfaces.

NutzerIn: Der Mensch ist ein besonderer Akteur im digitalen Raum, denn er genießt unterschiedliche Rechte, je nachdem aus welchem Staat er sich im digitalen Raum bewegt. Menschen aus Europa haben durch die DSGVO zum Beispiel andere Rechte auf Privatsphäre als US-AmerikanerInnen. Chinesinnen und Chinesen nutzen einen komplett eigenen und abgekoppelten digitalen Raum. Urheberrechte unterscheiden sich, genauso wie die Vorstellungen davon was der Mensch im digitalen ist und rechtlich abbildet.

Über die Topographie des Digitalen von Bratton können wir greifen, dass der digitale Raum eine komplexere Struktur vorweist, als die physischen Räume Luft, Wasser und Land.

Es ist dementsprechend nicht verwunderlich, dass es der Demokratie als Souverän schwer fällt diesen Raum zu vermessen und zu regieren.

Menschenbilder in der Digitalisierung:

Nun haben wir einen topographischen Raum definiert, welcher sich mit der Souveränität von Staaten vereinbaren lässt. Theoretisch essentiell für eine Demokratie, ist aber nicht nur der Raum auf dem sie regiert, sondern auch die Legitimation aus welcher sie heraus wirkt.

Die deutsche Demokratie und das Grundgesetz fußt zu großen Teilen auf den Ideen von Kant und damit auf der Moderne. Bürgerinnen und Bürger dürfen ihre Regierung selber wählen, weil sie alle von Geburt an zur Vernunft fähig sind. Jeder Mensch egal wie mächtig, hat genau eine Stimme um seine Rationalität walten zu lassen und den eigenen Souverän zu bestimmen. Diese Idee fußt auf unserem Menschenbild, welches jeder Bürgerin und jedem Bürger nicht nur die Möglichkeit zum vernunftbegabten Denken attestiert, sondern auch noch das Recht, davon nach belieben Gebrauch zu machen um sich zivilgesellschaftlich für das Gemeinwohl einzusetzen. Dieses Menschenbild ist unerlässlich für unsere Demokratie. Doch diese moderne Idee wird in der Digitalisierung immer häufiger angegriffen oder untergraben. Vor Allem im Silicon Valley und Shenzhen sind es eben Menschenbilder die dem Individuum eine ganz andere Rolle und somit andere Rechte zuweisen. Eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenbilder findest du hier.

Die DSGVO auf europäischer Ebene hat gezeigt, dass es möglich ist das demokratische Menschenbild, zu dem ein bestimmtes Recht auf Privatsphäre gehört, nicht nur als abstrakte Idee zu verteidigen, sondern eben auch in Gesetzgebungen global zu schützen. Auch wenn die DSGVO alles andere als ein perfektes Datenschutzrecht ist, zeigt sie doch eines: Es ist möglich ein demokratisches Menschenbild auch im digitalen Raum global zu vertreten und für die eigenen Bürgerinnen und Bürger zu verteidigen.

Ich hoffe es ist deutlich geworden, dass der gesamtgesellschaftliche Prozess der Digitalisierung auch für unsere Demokratie erhebliche und bereits abzusehende Folgen hat. Es handelt sich nicht um ein fahrlässiges Auslassen von Chancen, sondern um eine existenzielle Bedrohung unseres Regierungssystems, den digitalen Wandlungsprozess nicht in gestaltbare Rahmenbedingungen zu überführen. Durch die Beschleunigung in der Digitalisierung und ihre globale Vernetzung ist eine schnelle Handlungsfähigkeit unerlässlich. Dies bedeutet, dass die gegenwärtigen Strukturen sich anders und vor allem neu zusammenfügen müssen. Der gesellschaftliche Wandel erfordert, wie überraschend, auch einen Wandel in der strukturellen Beschaffenheit der Regierungs- und Verwaltungsstrukturen.

Digitalministerium

Warum benötigen wir ein Digitalministerium?

Der gesamtgesellschaftliche Prozess der Digitalisierung, macht eben diese zu einem Querschnittsthema. Jedes Ministerium wird sich jetzt und in der Zukunft nicht nur mit der Digitalisierung als Buzzword auseinandersetzen müssen, sondern die eigene Form der Zusammenarbeit, die Kompetenzen und auch die Bedeutung der Digitalisierung für den eigenen Themenbereich neu bestimmen müssen. Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit sich die Frage zu stellen, wie Ministerien in der Zukunft aussehen müssen, um die fähigsten Angestellten, die besten Arbeitsbedingungen und die fachlichen Kompetenzen und effizientesten Methoden einsetzen zu können. Es geht um nichts anderes als die Handlungsfähigkeit von Organisationen in einer neuen Zeit.

Doch all diese wichtigen und relevanten Themen sollten eine Tatsache nicht unter den Teppich kehren: Wir brauchen ein Digitalministerium.

Ja, jedes Ministerium muss sich diesem Thema widmen um die eigene Handlungsfähigkeit in der Zukunft sichern zu können, aber das bedeutet nicht, dass es nicht ein komplett neues Ressort benötigt, um sich neuen Fragestellungen zu stellen.

Jede die sagt, dass wir kein Digitalministerium brauchen, sagt gleichzeitig, dass durch die Digitalisierung keine neuen Fragestellungen auftreten, die nicht in den bestehenden Ministerien behandelt werden können. Dies ist schlichtweg falsch. Wir werden immer wieder auf Fragestellungen treffen, die wir nicht in einem Wirtschafts-, Justiz-, oder Verkehrsministerium lösen können.

Digitales ist ein eigener Kompetenzbereich. Als Organisation, lass ich meine Steuererklärung von einem SteuerberaterIn erledigen, oder als Regierung habe ich den Bundesrechnungshof und das Finanzministerium, sowie die zahlreichen und überall beliebten Finanzämter. Warum nicht bei einem so umfassenden und komplexen Thema wie dem Digitalen? Neuerdings scheint jede und jeder etwas von Digitalisierung zu verstehen und sowohl die eigene Meinung dazu abgeben zu müssen, als auch so zu tun, als bräuchte man keinen Sachverstand um diese Problemstellungen anzugehen.

Ein Digitalministerium kann sowohl Kompetenzen aufbauen, als auch verteilen.

Es kann so aufgesetzt werden, dass es schnell steuern kann durch Förderungen und Regulierungen. Es kann und muss sich am Zahn der Zeit bewegen, mithalten mit den stetigen Innovationen und sich verändernden Mustern. Es kann nicht nur Kompetenzen bündeln, sondern auch Schwerpunkte legen, Themenbereiche definieren, Abteilungen formen und auflösen, je nach Notwendigkeit.

Das Digitalministerium kann eine Blaupause sein, für die Ministerien der Zukunft. Denn klar ist, auch diese Organisationen müssen mit der Zeit gehen und sich verändern. Wie kann ein Ministerium aussehen, welches flexibel handelt und in der Ausrichtung und Haltung trotzdem stabil ist? Wie kann ein Ministerium Rahmenbedingungen definieren, ohne dass diese nach einer Legislatur schon wieder unscharf sind? Wie kann eine bürokratische Verwaltungsstruktur sich vom staub der Moderne lösen und effektiv und zielsicher handlungsfähig bleiben?

Das sind, neben den Verantwortungskompetenzen, Budget und Befugnissen, für mich die spannenden Fragestellungen.

Hier kommt der springende Punkt: Die Parteien, die sich dieses Thema zu eigen machen können langfristig die Rahmenbedingungen für die Digitalisierung in Deutschland und gleichzeitig den Grundstein für eine neue Form von Ministerium legen. Das erste Ministerium des 21. Jahrhunderts.

Es geht bei der Fragestellung um ein Digitalministerium nicht um das einfache Abhandeln von gesellschaftlichen Fragestellungen nach bekanntem Schema, sondern um eine direkte Gestaltung der Zukunft.

In welcher Form das stattfindet und welche Parteien den größten Einfluss darauf nehmen, hängt davon ab, wer das Thema anpackt und wie diese Akteure Digitalisierung interpretieren, gewichten und in eine nachhaltige und handlungsfähige Organisation überführen. An diesem Prozess sollte die Zivilgesellschaft, aber auch die Wirtschaft beteiligt werden. Das Scheitern bedeutet ein neuer Brutkasten für unsinnige Regeln mit fehlender Nähe zur Bürgerin und Bürger.

Wie ein Digitalministerium aussieht ist eine gesellschaftliche Fragestellung, in der jede Partei, ihre eigene Vision entwerfen sollte. Aus diesem Grund fordert unsere Petition, dass alle Parteien ein Digitalministerium in ihrem Parteiprogramm für 2021 festhalten.

Politische Debatte:

Hier werde ich einige twitter-Diskussionen kommentieren. Die politische Debatte zum Digitalministerium findet auch in anderen Medien statt, dies werde ich zu einem späteren Zeitpunkt analysieren.

Was mir bei der Analyse deutlich auffiel, war, dass ein Digitalministerium überhaupt nicht aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive gedacht wird, sondern als eine Denkfigur im parteipolitischen Kampf um Wählerstimmen. Natürlich ist das Teil der Politik, es ist aber auch erschreckend, wie wenig über die Notwendigkeit bisher nachgedacht wurde.

Fangen wir an mit Saskia Esken (SPD):

Diese Antwort einer Digitalpolitikerin hat mich erstmal staunend zurück gelassen. Das erste was mir auffiel war eine wirklich sehr traurige Perspektive auf Ministerien und vorallem auf die zukünftigen Ministerien. Wenn eine Digitalpolitikerin denkt, dass Ministerien in der Digitalisierung unbrauchbar werden, welche Vorstellungen hat sie von den zukünftigen Ministerien. In einer Welt die immer digitaler wird, hieße dies, alle Ministerien werden unbrauchbar. Eine Einstellung welche mit Demokratietheorie schwer vereinbar ist, in der Institutionen immer eine Säule des demokratischen Systems darstellen. Wenn klassische Ministerien nicht mehr greifen, muss man eben neue Ministerien schaffen?!

Der Hinweis auf die 2. Hälfte der Legislatur bezieht sich auf den Koalitionspartner CDU/CSU und zeigt, dass alle PolitikerInnen in einem Silo aus Parteipolitik denken. Das die CDU/CSU am Anfang der Koalition gegen ein Digitalministerium war und lieber ein Heimatministerium geschaffen hat...traurig. Gleichzeitig zeigt es, dass Frau Esken Angst davor hat, dass das Digitalministerium von der CDU/CSU gekapert wird und ein unsinniges, kleines Ministeriümchen daraus gemacht wird, wie das Umweltministerium. Diese Angst ist durchaus nachvollziehbar. Warum nicht damit attackieren, statt die Idee eines Digitalministeriums einfach plump anzugreifen?

Frau Esken zielt damit auf die digitale Vorreiter-Rolle von Estland in der EU an. Das ist eine sehr traurige Argumentation, da Frau Esken genau weiß, dass Estland ein sehr viel kleineres Land ist, das schneller und radikaler agieren kann. Es gibt viele andere Länder mit einem Digitalministerium. Ich weiß nicht wie viele davon auch ein Heimatministerium haben.

Wenn Frau Esken lieber Estland regieren möchte, ist sie bei deutscher Digitalpolitik am falschen Ort gelandet.

Das ist eine schöne Antwort auf die Forderungen der FDP, zeigt aber nur wieder, dass FDP und SPD nicht darüber nachdenken wie ein Digitalministerium sinnvoll aussieht, sondern lieber ideenlos aufeinander rumhacken.

Die Antwort von Herrn Lindner lässt nicht lange auf sich warten:

Bei solchen Kommentaren werde ich einfach nur wütend. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es unter Schwarz/Grün/Gelb ein Digitalministerium gegeben hätte. Herr Lindner hat sich vor der Verantwortung gedrückt, um in der Versenkung zu verschwinden und aus der Opposition heraus schlaue Forderungen zu stellen, die er selber hätte umsetzen können. Statt dessen sorgt er durch den Umgang der FDP mit dem Kemmerich-Debakel dafür, dass die Partei für alle Demokraten unwählbar wird, weil man nicht weiß, ob man noch Herrn Höcke wählt.

Was die Grünen fordern ist richtig und sinnvoll. Was mich absolut stört ist dieses statt Digitalministerium, lieber Digitalbudget. Es ist jedem klar, dass wir beides brauchen. Warum Parteipolitisch schubsen, statt einfach mal vernünftige Digitalpolitik anzustreben.

Ich kann nur hoffen, dass sich Frau Bär gegen die eigene Partei durchsetzt und sich weiterhin für ein wirkmächtiges Ministerium einsetzt. Auch hier die Forderung, dass bei der inhaltlichen Ausgestaltung sowohl die Zivilgesellschaft, als auch die Wirtschaft beteiligt wird.

Die “Analyse” zeigt, dass es wenige haltbare Argumente gegen ein Digitalministerium gibt. Wenn, dann werden sie ohne Gegenvorschläge oder konkretere Ideen vorgetragen und offenbaren eine Visionslosigkeit was die Zukunft der Ministerien und Verwaltungen angeht. Die ganze Art und Weise die Debatte zu führen, treibt mir den Angstschweiß vor der Zukunft in mein Gesicht, denn Digitalisierung wird aus einer Gegenwartslogik betrachtet. Eine Zukunft die gestaltbar ist und angestrebt wird, ist nicht angedacht.

Jetzt möchte ich noch ein paar weitere Argumente anschauen.

Gesellschaftliche Debatte:

Hier habe ich ein paar Argumente gesammelt, welche sich gehäuft haben oder die ich für relevant halte. Ich möchte hier niemanden an den Pranger stellen, sondern halte die Beiträge für die Diskussion wichtig. Sollte sich jemand hier nicht wiederfinden wollen, kann er mir gerne schreiben und ich werde den Beitrag selbstverständlich entfernen.

Hier wird das gleiche Argument genutzt wie bei den Grünen nur schärfer formuliert. Man kann nur das eine oder das andere. Das ist falsch. Außerdem behauptet niemand, dass ein Digitalministerium alle Probleme löst. Es ist sicherlich nicht einzige und hoffentlich auch nicht der größte Schritt für eine Digitalisierungsstrategie. Ein sinnvoller Baustein.

Ich möchte es nochmal wiederholen. Ein Digitalministerium löst nicht alle Probleme. Genauso wie ein Finanzministerium nicht alle Finanzprobleme löst und ein Wirtschaftsministerium nicht alle wirtschaftlichen Problemstellungen auf magische Art verschwinden lässt. Das behauptet niemand.

Dies ist ein Argument, was auch von Frau Esken benutzt werden könnte. Alle Probleme des Digitalen, lassen sich im Austausch zwischen den bestehenden Ministerien und dem Kanzleramt lösen. Das ist eine absolute Wunschvorstellung. Dafür müsste man effektive, neue Formen der Kooperation ermöglichen. Das ist nicht unmöglich, dauert aber wesentlich länger als eine handlungsfähige Institution zu schaffen. Wenn diese Synergieeffekte so einfach auftreten würden und eben nicht in einem Verantwortungs- und Zuständigkeitsgerangel untergehen würden, was wäre die ministeriale Welt einfacher...

Genau, das Digitalministerium bleibt in der gleichen Welt, wie alle Ministerien und Regierungen vorher. Es ist keine Lichtgestalt, und auch nicht der Jesus aller Ministerien. Trotzdem ist es notwendig um handlungsfähig zu sein und diese Debatten zu beschleunigen.

Ich kann nur hoffen, dass dies Wirklichkeit wird und wir einen Schritt weiter kommen bei einer langfristigen, sinnvollen und nachhaltigen Digitalisierungstrategie, welche Gestaltung ermöglicht und nicht bei Reaktionen bleibt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn du mich dabei unterstützt.

Meine Petition findest du hier.

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4 Kommentare

  • Die Nato, insbesondere H. Stoltenberg, sollten Erst mal die Wahre, und NICHT ER Stunkene/Logene Wahrheit Studieren/Lernen, Dann Wüsste ER, Dass Fast ALLE Länder der ERDE (( außer 3 - 4 ) Eine Firma, und Kein
    Souveräner Staat sind, und Somit Sind Diese Sogenannten Orgi s, WIE Nato/UN/Uno/EU usw. Alles Nur zur
    VER Dummung/Blödung und Abzocke der Bevölkerung Errichtet worden, und Haben somit NULL komma NULL Daseinsberechtigung, zumal die Sogenannte Nato mit ihre r/m ( Scheinbaren Übung )) an der Russi Grenze, NUR Ein Ziel haben, da Russl eines von 3 bzw 4 Schuldenfreien Ländern sind ) wollen Sie ALS
    Handlanger/Diener der 12/150/300/(880) und deren u dessen Handlanger/Diener Russl wieder Hochver schulden, damit diese, wie die Restlichen ca 195 Länder die ALLE zwi 260 - 370 % des Brutto VER/ÜBER Schuldet sind, wieder in Ihre Herrschafts Gewalt Bringen.
  • Hey Johann,

    habe selten einen Kommentar gelesen, der weniger mit dem Thema zu tun hat, als deiner. Schön, dass du gesagt hast, was du sagen musstest. Was den Inhalt angeht...Wahrheit ist ein schwieriges Konstrukt. Selbst die Wissenschaft beansprucht für sich nur, sich der Wahrheit anzunähern, nicht aber sie zu kennen. Ich misstraue erstmal jeder und jedem die davon ausgeht die eine unumstößliche Wahrheit zu kennen.
  • Ich würde gerne mit dir auf Twitter darüber diskutieren, habe deine Petition ja auch unterschrieben. Aber wenn du meinen Account @nonabiaf blockierst wird‘s schwierig😕 War ich auf einer Liste?
  • Hey Fabian,

    du bist leider Opfer meiner BlockChain geworden. Habe ich wegen eines rechten Shitstorms eingerichtet. Darunter sind auch ein paar Kollateral-Blocks. Das bitte ich zu entschuldigen. Habe dich entblockt und gefollowed. Freue mich auf den Austausch.

Was denkst du?

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